In der Kindertagesstätte beten

Eine Stuhlkreissituation:

In der Kita. sitze ich mit den Kindern im Kreis zusammen. Heute wollen wir gemeinsam überlegen, was man in einem Gebet zu Gott alles sagen kann. Wir sammeln Bitten und Ideen. Da sind so viele Gedanken, dass wir sortieren, auswählen müssen. Dabei rufen die Kinder durcheinander, ein Mädchen am lautesten und der Junge, der neben ihr sitzt, zieht sie an den Haaren, weil er mit dem, was er sagen will, nicht durchkommt. Das sieht nicht wie der Beginn eines gemeinsamen Gebetes aus. Ich hebe ruhig die Hand. Es dauert eine Weile, aber so richtig beruhigen können sich die Kinder nicht. Um Ruhe in die Gruppe zu bekommen, haben wir ein Ritual das die Kinder kennen: Ein brennendes Teelicht im Glas wird von Hand zu Hand weitergereicht, jeder versucht sich auf das Licht und das Weitergeben des Glases zu konzentrieren. Währenddessen wird nicht gesprochen, wir nehmen uns selbst und die anderen wahr. Nun ist es ruhiger geworden. "Wir fangen jetzt an", sage ich leise nach dieser stillen Runde. "Ich beginne und dann sagt jeder von euch, der möchte, auch sein Danke oder seine Bitte dazu."

Die Kinder sitzen gespannt im Kreis und schauen mich an. Ich beginne leise: "Lieber Gott, wir sind hier um Dir zu danken. Dafür, dass wir gesund sind und fröhlich und uns jeden Tag hier in der Kita. treffen können, um zusammen zu spielen und voneinander zu lernen. Dass wir genug zu essen haben und satt werden. Dafür, dass unsere Eltern für uns sorgen. Dafür, dass heute schönes Wetter ist und wir nachher draußen spielen können." "Und dafür, dass unser Häschen noch lebt, obwohl wir gestern vergessen haben, es zu füttern", ruft ein Junge. "Ja", sage ich " dafür danken wir auch. Nun wollen wir Gott auch um etwas bitten."

Ein Junge aus dem Kreis schaut mich an, ich nicke ihm aufmunternd zu. Er spielt mit seinen Fingern und holt tief Luft. Dann sagt er leise: "Ich möchte, dass meine Mama nicht mehr so traurig ist und dauernd so viel schimpft." "Und ich bitte Gott darum, dass meine große Schwester mich nicht immer ärgert", ruft ein Mädchen. Eine bunte Palette von Bitten wird vorgebracht. Am Schluss sage ich: "Nicht immer werden unsere Bitten erfüllt, wie wir es vielleicht erwartet haben. Ich glaube, dass Gott unsere Bitten und unser Danken gehört hat. Ich glaube auch, dass er uns helfen wird. Er hat uns lieb. Wir können ihm vertrauen."

In unserer Kita. sind Gebete unterschiedlichster Art in den Alltag integriert. So beginnt unser tägliches Mittagessen oder das Frühstücksbuffet in den Gruppen mit einem Dankgebet; einem Geburtstagskind wird in einem Segenslied alles Gute gewünscht und bei Festen und Gottesdiensten gehören Gebete selbstverständlich dazu.

Mit Kindern beten

Wenn wir mit Kindern beten, erleben wir: Kinder haben eine konkrete Vorstellung von Gott. Gott ist für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter eine außergewöhnliche Person. Ein gemeinsames Gebet in einer Gruppe oder in der Familie kann etwas Schönes, ja sogar etwas Aufregendes sein. Es verstärkt das Gefühl von Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeit. Die Kinder empfinden Geborgenheit in der ruhigen Gemeinschaft. Sie erleben, dass nicht nur sie, sondern auch andere Menschen Ängste und Sorgen haben. Die Kinder werden sensibel für eigene Gefühle und lernen es, sie zu akzeptieren und auszusprechen. Empfindungen werden mehr und mehr bewusst erlebt. Beten kann hierbei eine Hilfe sein.